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  • [045] W. v. Zenge, 21.5.1801

[045] An Wilhelmine v. Zenge, 21. Mai 1801

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[1] [BKA IV/2 18] [DKV IV 223] [SE:1993 II 649] [Heimböckel:1999 (Reclam) 231] [MA II 728] Leipzig, d.]den 21t ]21. Mai, ]Mai 1801. ]1801 /

Liebe Wilhelmine, ich bin bei meiner Ankunft in dieser Stadt / in einer recht großen Hoffnung getäuscht worden. Ich hatte / nämlich Dir, u.]und außer Dir noch Leopold, Rühle, Gleißenberg, Gleißenberg ]Gleißenberg / [MA II 729] & &]etc. etc. theils]teils schriftlich, theils]teils mündlich gesagt, daß sie ihre Briefe / an mich nach Leipzig addressiren]adressieren mögten,]möchten, weil ich die Messe Die Leipziger Ostermesse 1801 hatte am 26. April begonnen. Interessant der Bericht über diese Messe im ›Journal des Luxus und der Moden‹ vom Juni 1801: »Die Messe gehört in jeder Rücksicht [...] zu den schlechtesten, die je zu Jubilate eingelautet [sic!] worden.« Schlechter Besuch und damit schlechte Geschäfte, »welche die Buchhändler machten, ließen einer eigenen Revolution entgegensehn, durch welche die Romanfabriken einen derben, aber heilsamen Stoß erhalten würden.« Interessant auch der Hinweis auf eine der wenigen Attraktionen der Messe: »Die meiste Sensation auf dieser Messe machten aber beinahe die Herren Schütze und Dreher mit ihren Marionetten.« Diese hätten einen »unbeschreiblich[en]« Zulauf gehabt. Eigentlicher Höhepunkt war das »Ballet« mit »Figuren mäßiger Größe«. Dieses sei in einer Art ausgeführt worden, »die an Natürlichkeit, Nettigkeit, Präcision und Faßlichkeit in Bewegungen, Stellungen u.s.w. [...] nichts zu wünschen, ja die künstlich leitenden Fäden schlechterdings vergessen ließen. Wahrhaftig, hier konnte man getäuscht werden [...]«.
Kleist hat diese Aufführungen während der Messe verpasst, möglicherweise aber hatte er nach der Messe noch Gelegenheit, eine Aufführung zu besuchen. In jedem Fall lässt sich ein Eindruck gewinnen, wie attraktiv für das Messepublikum und von welcher Qualität die Marionettentheater zu Kleists Lebzeiten (teilweise) gewesen sind. An genügend Anschauungsmaterial für seinen Text ›Über das Marionettentheater‹ dürfte es Kleist nicht gemangelt haben. In Kleists ›Marionettentheater‹ verweist der Erzähler jedenfalls schon im ersten Satz auf seinen Aufenthalt in der Stadt »M...« im »Winter 1801«.
hier / besuchen würde. Da ich mich aber in Dreßden]Dresden so lange aufhielt, Über die Gründe für Kleists langen Aufenthalt in Dresden machte später seine mitreisende Schwester Ulrike v. Kleist einige Angaben: »Wir reisten also ab. Zuerst bis Dresden. Da gefiel es ihm so sehr daß er nicht fort zubringen war. Er sah die Gemälde, die Kunstwerke, und lebte nur für die Kunst. Er machte Bekandtschaft mit einem jungen Mahler Loos, der ihn rumführte, und statt wie er glaubte, Heinrich belehren zu können, verwundert da stand, und ihm zuhörte, was er über die Kunstwerke sagte. Er hielt es für unmöglich, daß ein nicht selbst Mahler so Gemälde beurtheilen, so darüber sprechen könnte. Der Mahler Loos war mit einem Fräulein v. Schliefen versprochen, die wir nebst ihrer Schwester schon früher hatten kennen gelernt, sehr liebe gute Mädchen, die mit großer Herzlichkeit an uns hingen. (Ich vermuthe daß die Briefe die kürzlich in einem Journale abgedruckt wurden an sie waren.) (Der Mahler Loos ist später mit seiner Frau nach Mailand gegangen.) [2. Seite] Wir hatten uns in Dresden eigne Pferde gekauft um damit die Reise zu machen. Diese waren schon längst angeschaft aber Heinrich konnte sich nach langen Zaudern erst spät zur Abreise entschließen. Wir gingen nun nach Leipzig.« (zitiert nach textkritik.de) / daß die Messe während dieser Zeit vorübergieng,]vorüberging, so würde ich nun / diesen Umweg über Leipzig Kleists nächste Station ist Göttingen, Leipzig liegt fast auf der direkten Verbindung zwischen Dresden und Göttingen. Von einem ›Umweg‹ lässt sich insofern kaum sprechen, Kleist hätte alternativ noch die Postroute über Weimar und Erfurt wählen können. nicht gemacht haben, wenn ich nicht / gehofft hätte, hier eine ganze Menge von Briefen vorzufinden,/ 10 besonders da ich in Dreßden]Dresden keinen einzigen, außer vor 4 Wochen / den Deinigen Nicht überliefert. empfieng.]empfing. Nun aber denke Dir mein Erstaunen / als ich auf der hiesigen Post auch nicht einen einzigen Brief fand,/ auch für Ulriken nicht, so daß es fast scheint, als wären wir aus / dem Gedächtniß]Gedächtnis unsrer Freunde u.]und Verwandten ganz ausgelöscht — / — Liebe Wilhelmine, bin ich es auch aus dem Deinigen? Zürnst / Du auf mich, weil ich von Dreßden]Dresden aus nur einmal, und nur so / wenige Zeilen Vgl. Brief vom 4. Mai 1801. an Dich schrieb? Willst Du Dich darum mit Gleichem / an mir rächen? Ach, laß diese Rache fahren — Wenn Du Dir ein/bildest, daß Du mir nicht mehr lieb u.]und werth]wert bist, so irrst Du Dich, und / 20 wenn Du die Kürze meines einzigen [Heimböckel:1999 (Reclam) 232] Briefes für ein Zeichen da/von hältst, so verstehst Du Dich ganz falsch auf meine Seele — Sonst,/ ja sonst war es meine Freude, mir selbst oder Dir mein Herz / zu öffnen, u.]und meine Gedanken und Gefühle dem Papier anzuvertrauen;/ aber das ist nicht mehr [DKV IV 224] so — Ich habe selbst mein eignes Tagebuch Kleists Tagebücher sind nicht überliefert. Weitere Erwähnung: 21. August 1800. Aufforderungen Kleists an Wilhelmine, gleichfalls ein Tagebuch zu führen: 13. November 1800 ver/nachläßigt,]vernachlässigt, [SE:1993 II 650] weil mich vor allem Schreiben ekelt. Sonst waren die / Augenblicke, wo ich mich meiner selbst bewußt ward, meine / schönsten — jetzt muß ich sie vermeiden, weil ich mich u.]und meine / Lage fast nicht ohne Schaudern denken kann — Doch nichts in diesem / Tone. Auch dieses war ein Grund, warum ich Dir so selten / 30 schrieb, weil ich voraussah, daß ich Dir doch nichts von mir schreiben / könnte, was Dir Freude machen würde. In den letzten Tagen meines / Aufenthaltes in Dreßden]Dresden hatte ich schon einen Brief an Dich bis zur / Hälfte vollendet, als ich einsah, daß es besser war, ihn ganz zurück/zuhalten, weil er Dir doch nichts, als Kummer gewährt haben / würde. Ach, warum kann ich dem Wesen, das ich glücklich machen / sollte, nichts gewähren, als Thränen?]Tränen? Warum bin ich, wie Tankred, Vgl. Goethe ›Wilhelm Meisters Lehrjahre‹ 1. Buch, 7. Kapitel, in dem Wilhelm gegenüber Mariane über seine Lektüre von Torquato Tassos ›Das befreite Jerusalem‹ »davon mir Koppens Übersetzung in die Hände fiel«, berichtet: »Aber wie ging mir das Herz über, wenn in dem bezauberten Walde Tankredens Schwert den Baum trifft, Blut nach dem Hiebe fließt und eine Stimme ihm in die Ohren tönt, daß er auch hier Chlorinden verwunde, daß er vom Schicksal bestimmt sei, das, was er liebt, überall unwissend zu verletzen!« Das gleiche Motiv lautet in Koppens Übersetzung (18. Gesang, Strophe 34, S. 500): »Er geht zur Myrrthe hin; sie aber sieht das kaum, / So schreyt sie und umfaßt den ihr so werthen Baum; / Halt! ruft sie, kannst du dich vor mir so grausam stellen, / Und meinen liebsten Baum, in dem ich wohne, fällen? / Leg’ ab dein Schwerdt, Barbar, und schone meinen Schmerz, / Ach! oder stoß es selbst Armiden in das Herz! / Soll deinem Schwerdt’ ein Streich auf meinen Baum gelingen, / So muß sein Grimm zuerst durch diesen Busen dringen!« / verdammt, das, was ich liebe, mit jeder Handlung zu verletzen? — Doch / davon laß mich ein für allemal schweigen. Das Bewußtsein / Dich durch meine Briefe, statt zu erfreuen, zu betrüben, macht sie / 40 mir selbst so [MA II 730] verhaßt, daß ich bei diesen letzten Zeilen schon halb / u.]und halb willends]willens war, auch dieses Schreiben zu zerreißen — Doch Eines]eines / muß vollendet werden — und ich will Dir darum nur kürzlich die Geschichten Geschichte ]Geschichte / [2] [BKA IV/2 21] meines Aufenthaltes in Dreßden]Dresden mittheilen,]mitteilen, die Dich nicht betrü/ben wird, wenn ich Dir bloß erzähle, was ich sah u.]und hörte, nicht was / ich dachte u.]und empfand. /

Ich zweifle, daß ich auf meiner ganzen bevorstehenden Reise,/ selbst Paris nicht ausgenommen, eine Stadt finden werde, in wel/cher die Zerstreuung so leicht u.]und angenehm ist, als Dreßden.]Dresden. Nichts / war so fähig mich so ganz ohne alle Erinnerung wegzuführen von dem / 50 traurigen Felde der Wissenschaft, als diese in dieser Stadt gehäuften / Werke der Kunst. Die Bildergallerie,]Bildergalerie, die Gipsabgüsse, das Antiken/ca[Heimböckel:1999 (Reclam) 233] binet,]Antikenkabinett, Zu Lebzeiten Kleists befand sich die Antikensammlung noch im Japanischen Palais. die Kupferstichsammlung, die Kirchen-Musik]Kirchenmusik in der Katholischen katholischen ]katholischen / Kirche, Die katholische Hofkirche (seit 1980 Kathedrale Sanctissimae Trinitatis) entstand etwa gleichzeitig mit der evangelischen Frauenkirche (1739–1755) und gilt als einer der größten Kirchenbauten Sachsens. Berühmt ist sie u. a. durch die Silbermann-Orgel. das Alles]alles waren Gegenstände bei deren Genuß man den / Verstand nicht braucht, die nur allein auf Sinn u.]und Herz wirken. Mir / war so wohl bei diesem ersten Eintrit]Eintritt in diese für mich ganz neue Welt voll / Schönheit. [DKV IV 225] Täglich habe ich die griechischen Ideale Eine ausführliche Beschreibung der Antiken-Galerie hatte 1798 Johann Gottfried Lipsius vorgelegt, in die Kleist möglicherweise Einsicht genommen hat. (›Beschreibung der Churfürstlichen Antiken-Galerie in Dresden‹ von Johann G. Lipsius u. Johann Friedrich Wacker) u.]und die italienischen / Meisterstücke Eine Orientierung über den damaligen Bestand ermöglicht ein Bestandsverzeichnis von 1837. besucht, und jedesmal, wenn ich in die Gallerie]Galerie / trat, stundenlang vor dem einzigen Raphael dieser Sammlung, vor / jener Mutter Gottes Die ›Sixtinische Madonna‹ von Raffael in der Dresdner ›Gemäldegalerie Alte Meister‹, von August III. 1754 angekauft. In dem ›Verzeichniss der Königlich Sächsischen Gemälde-Galerie zu Dresden von Friedrich Matthäi‹ von 1837 wird zu dem Bild u. a. folgendes notiert: »Dieses einzige Gemälde ist unter der Benennung ›Madonna di San Sisto‹, bekannt. [...] Durch den erhabenen Freund und Beschützer der Künste, König Friedrich August III., kam es in die hiesige königliche Galerie; eine grosse Summe Goldes, und ein Nachbild an die Stelle, war der Preis, um welchen sich Deutschland dieses Kunstwerks zu erfreuen hat.« (Bild-Nr. 441, S. 84f) gestanden, mit dem hohen Ernste, mit der stillen / 60 Größe, Kleist hat seinen Winckelmann offensichtlich gut gelesen. In Winckelmanns einflussreicher Schrift ›Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerey und Bildhauerkunst.‹ weist dieser auf den unmittelbaren Zusammenhang zwischen nachahmender Antike-Rezeption und dem Schaffen Raffaels: »Die edle Einfalt und stille Grösse der griechischen Statuen ist zugleich das wahre Kennzeichen der griechischen Schriften aus den besten Zeiten; der Schriften aus Socrates Schule; und diese Eigenschaften sind es, welche die vorzügliche Grösse eines Raphaels machen, zu welcher er durch die Nachahmung der Alten gelanget ist.« (S. 24) Zentral für Winkelmanns Argumentation ist Raffaels ›Sixtinische Madonna‹, die er bei seinen Kunststudien in Dresden ab 1754 studiert hatte. »Die Königliche Gallerie der Schildereyen in Dreßden enthält nunmehro unter ihren Schätzen ein würdiges Werk von Raphaels Hand, und zwar von seiner besten Zeit, wie Vasari und andere bezeugen. Eine Madonna mit dem Kinde, dem H. Sixtus und der H. Barbara, knieend auf beyden Seiten, nebst zwey Engeln im Vorgrunde. [...] Sehet die Madonna mit einem Gesichte voll Unschuld und zugleich einer mehr als weiblichen Grösse, in einer seelig ruhigen Stellung, in derjenigen Stille, welche die Alten in den Bildern ihrer Gottheiten herrschen ließen. Wie gross und edel ist ihr ganzer Contour!« (ebd. S. 26) ach Wilhelmine, u.]und mit Umrissen, Umriss (Adelung): »in der Zeichenkunst, ein Riß, welcher bloß die äußern Linien einer Figur, die Linien des Umfanges darstellet.« Franz. ›contour‹, siehe oben (Winckelmann: »Wie gross und edel ist ihr ganzer Contour!«) die mich [SE:1993 II 651] zugleich an zwei / geliebte Wesen erinnerten — Wie oft, wenn ich auf meinen / Spaziergängen junge Künstler sitzen fand, mit dem Bret]Brett auf dem / Schoß, den Stift in der Hand, beschäftigt die schöne Natur zu copieren,]kopieren, / o wie oft habe ich diese glücklichen Menschen beneidet, welche kein / Zweifel um das Wahre, das sich nirgends findet, bekümmert, die nur / in dem Schönen leben, das sich doch zuweilen, wenn auch nur als Ideal,/ ihnen zeigt. Den Einen]einen fragte ich einst, ob man, wenn man / sonst nicht ohne Talent sei, sich wohl im 24t ]24. Jahre noch mit Erfolg / der Kunst widmen könnte? Er antwortete mir, daß Wouvermann,]Wouwerman, / 70 einer der größten Landschaftsmaler, erst im 40t ]40. ein Künstler ge/worden sei. — Nirgends fand ich mich aber tiefer in meinem / Innersten gerührt, als in der Katholischen katholischen ]katholischen Kirche, wo die größte, er/hebenste Musik noch zu den andern Künsten trit,]tritt, das Herz gewalt/sam zu bewegen. Ach, Wilhelmine, unser Gottesdienst ist keiner. / Er spricht nur zu dem kalten Verstande, aber zu [MA II 731] allen Sinnen / ein katholisches Fest. Mitten vor dem Altar, an seinen untersten / Stufen, kniete jedesmal, ganz isolirt]isoliert von den Andern,]andern, ein ge/meiner Mensch, das Haupt auf die höheren Stufen gebückt,/ betend mit Innbrunst.]Inbrunst. Ihn quälte kein Zweifel, er glaubt — Ich / 80 hatte eine unbeschreibliche Sehnsucht mich neben ihn niederzu/werfen, u.]und zu weinen — Ach, nur einen Tropfen Vergessenheit, und / mit Wollust würde ich katholisch werden —. Doch davon wollte / ich ja eben schweigen. — Dreßden]Dresden hat eine große, [Heimböckel:1999 (Reclam) 234] feierliche / Lage, in der Mitte der umkränzenden Elbhöhen, die in einiger / Entfernung, als ob sie aus Ehrfurcht nicht näher zu treten wagten,/ [3] [BKA IV/2 22] es umlagern. Der Strom verläßt plötzlich sein rechtes Ufer, und / wendet sich schnell nach Dreßden,]Dresden, seinen Liebling zu küssen. Von / der Höhe des Zwingers kann man seinen Lauf fast bis nach Meißen / [DKV IV 226] verfolgen. Er wendet sich bald zu dem rechten bald zu dem linken / 90 Ufer, als würde die Wahl ihm schwer, und wankt, wie vor Ent/zücken, und schlängelt sich spielend in tausend Umwegen durch / das freundliche Thal,]Tal, als wollte er nicht in das Meer — Wir haben / von Dreßden]Dresden aus Morizburg,]Moritzburg, Pillnitz, Tharandt, das Du schon kennst, Kleist hatte Wilhelmine schon auf seiner ›Würzburger Reise‹ von Tharandt berichtet (vgl. Briefe v. 3.9.1800 und 4.9.1800). / u.]und Freiberg besucht. In Freiberg sind wir beide in das Bergwerk Das 1794 errichtete Amalgierwerk Halsbrücke bei Freiberg, das Kleist und seine Schwester Ulrike am 2.5.1801 besucht hatten. (Vgl. LS 54b) / gestiegen. Ich mußte es, damit ich, wenn man mich fragt: sind Sie / dort gewesen? doch antworten kann: ja. Ein weiteres Interesse / hatte ich jetzt nicht dabei, so sehr mich die Kenntniß,]Kenntnis, die man sich [SE:1993 II 652] hier / erwerben kann, auch sonst interessirt]interessiert hätte. Denn wenn das / Herz ein Bedürftniß Bedürfniß ]Bedürfnis hat, so ist es kalt gegen Alles,]alles, was es nicht befrie/ 100 digt, und nur mit halbem Ohre habe ich gehört, wie tief der Schacht ist,/ wohin der Gang streicht, wieviel Ausbeute er giebt, gibt, ]gibt, u.s.w.]usw. — Ich / hatte ein Paar]paar Adressen nach Dreßden]Dresden mit, von denen ich aber / nur Eine]eine gebrauchte u.]und die Andern]andern verbrannt habe. Denn für ein / Herz, das sich gern jedem Eindruck hingiebt,]hingibt, ist nichts gefährlicher, als / Bekanntschaften, weil sie durch neue Verhältnisse das Leben immer noch / verwickelter machen, das schon verwickelt genug ist. Doch diese Verstan/desregel war es eigentlich nicht, die mich davon abhielt. Ich fand aber in / Dreßden]Dresden ein Paar]paar so liebe Leute, daß ich über sie alle Andern]andern vergaß. / Denn ob ich gleich Menschen, die ich kennen lerne, leicht lieb gewinne / 110 und dann gern unter ihnen bin, so habe ich doch kein Bedürfniß,]Bedürfnis, / viele kennen zu lernen. [MA II 732] Diese lieben Leute waren zuerst der / Hauptmann v. Zanthier, Gouverneur bei dem jungen Grafen v. v Stollberg]Stolberg / u.]und Prinzen v. Pleß, ein Mann Mann, ]Mann, dem das Herz an einer guten Stelle sitzt. / Er machte uns zuerst mit Dreßden]Dresden bekannt u.]und hat [Heimböckel:1999 (Reclam) 235] viel zu unserm / Vergnügen beigetragen. Außer ihm fanden wir noch in Dreßden]Dresden / ein Paar]paar Verwandte, den Lieut. v. Einsiedel u.]und seine Frau, welche / uns auch mit dem weiblichen Theil]Teil von Dreßden]Dresden bekannt machten. Unter / diesen waren besonders zwei Fräulein v. Schlieben, Henriette und Caroline v. Schlieben arm u.]und freundlich und / gut, die Eigenschaften die zusammengenommen mit zu dem Rührendsten / 120 gehören, das ich kenne. Wir sind gern in [DKV IV 227] ihrer Gesellschaft gewesen, und / zuletzt waren die Mädchen auch so gern in der unsrigen, daß die Eine]eine / am Abend bei unserem Abschied aus vollem Herzen weinte. — Von Dreßden]Dresden / aus machten wir auch noch eine große Streiferei nach Töplitz, / 8 Meilen, eine herrliche Gegend, besonders von dem nahgelegenen nahegelegenen ]nahegelegenen / Schloßberge aus, wo das ganze Land aussieht, wie ein bewegtes / [4] [BKA IV/2 25] Meer von Erde, die Berge, wie collossalische]kolossalische Pyramiden, in den / schönsten Linien geformt, als hätten die Engel im Sande ge/spielt — Von Töplitz fuhren wir tiefer in Böhmen nach Lowositz, / das am südlichen Fuße des Erzgebirges liegt, da, wo die Elbe hinein/ 130 trit.]hineintritt. Wie eine Jungfrau unter Männern erscheint, so trit]tritt sie schlank / u.]und klar unter die Felsen — Leise mit schüchternem Wanken naht / sie sich — das rohe Geschlecht drängt sich, den Weg ihr versperrend,/ um sie herum, der Glänzend[SE:1993 II 653] -Reinen ins Antlitz zu schauen — / sie aber ohne zu harren, windet sich, flüchtig, erröthend,]errötend, hindurch — / In Aussig ließen wir den Wagen zu Lande fahren, und fuhren noch / 10 Meilen auf der Elbe nach Dreßden.]Dresden. Ach, Wilhelmine, es war / einer von jenen lauen, süßen, halb dämmernden Tagen, die / jede Sehnsucht, u.]und alle Wünsche des Herzens ins Leben rufen — Es / war war, so still auf der Fläche des Wassers, so ernst zwi/ 140 schen den hohen, dunkeln Felsenufern, die der Strom durchschnitt. / Einzelne Häuser waren hie u.]und da an den Felsen gelehnt, wo ein Fischer / oder ein Weinbauer sich angesiedelt hatte. Mir schien ihr Loos]Los un/beschreiblich rührend u.]und reizend — das kleine einsame Hüttchen / unter dem schützenden Felsen, der Strom, der Kühlung u.]und Nahrung / zugleich herbeiführt, Freuden, die keine Idylle mahlen]malen kann, Wün/sche, die nicht [Heimböckel:1999 (Reclam) 236] über die Gipfel der umschließenden Berge [MA II 733] fliegen — ach, liebe / Wilhelmine, ist Dir das nicht auch alles so rührend u.]und reizend wie mir? / Könntest Du bei diesem Glücke Glück ]Glück nicht auch Alles]alles aufgeben, was jenseits / der Berge liegt? Ich könnte es — ach, ich sehne mich unaussprechlich / 150 nach Ruhe. Für die Zukunft leben zu wollen — ach, es ist ein / Knabentraum, und nur wer für den Augenblick lebt, lebt für / die Zukunft. Ja wer erfüllt eigentlich getreuer seine Bestimmung nach / dem Willen der [DKV IV 228] Natur, als der Hausvater, der Landmann? — Ich malte / mir ein ganzes künftiges Schicksal aus — ach, Wilhelmine, mit Freuden / wollte ich um dieses Glück Glück, allen Ruhm u.]und allen Ehrgeiz aufgeben — Zwei / Fischer ruderten gegen den Strom, und trieften von Schweiß. Ich nahm / unserm Schiffer das Ruder u.]und fieng]fing aus Leibeskräften zu arbeiten.]arbeiten [an]. Ja,/ fiel mir ein, das ist ein Scherz, wie aber wenn es Ernst wäre — ? Auch / das, antwortete ich mir, u.]und beschloß eine ganze Meile lang unaufhörlich / 160 zu arbeiten. Es gelang mir doch nicht ohne Anstrengung u.]und Mühe — aber / es gelang mir. Ich wischte mir den Schweiß ab, und setzte mich neben / Ulriken, u.]und faßte ihre Hand — sie war kalt — ich dachte an den Lohn,/ an Dich — — /

Adieu, adieu. Schreibe mir nach Göttingen, aber gleich, und dein Dein ]Dein / ganzes Schicksal während der verflossnen Zeit, Deine Verhältnisse, auch etwas / von meiner Familie. Wenn es mir so leicht wird, wie heute, so schreibe / ich bald wieder. Dein treuer Freund Heinrich. /

45
An Wilhelmine v. Zenge, 21. Mai 1801

Quellenangaben für Zitation
https://kleist-digital.de/briefe/045, [ggf. Angabe von Zeile/Vers oder Seite], 02.05.2026

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Apparat

Textwiedergabe nach Kopie der Handschrift. Die Handschrift ist in Besitz von:
Biblioteka Jagiellońska, Kraków; Sammlung Autographa (H. v. Kleist)

Erstdruck: [Bieder:1884] 182–188

Pagina Kleist-Ausgaben
  • [BKA] (044) IV/2 15–25
  • [MA] (044) II 728–733
  • [DKV] (048) IV 221–228
  • [SE:1993] (045) II 649–653
  • [Heimböckel:1999 (Reclam)] (044) 231–236
 Erwähnte Personen
  • []Anhalt-Köthen Fürst v. Pleß, Ludwig von (1)
  • []August III. (1)
  • []Einsiedel (geb. von Löben), Ernestine Louise Philippine Manon von (1)
  • []Einsiedel, Georg Detlev Abraham von (1)
  • []Gleissenberg, Karl von (1)
  • []Kleist, Heinrich von (1)
  • []Kleist, Leopold von (1)
  • []Kleist, Ulrike von (2)
  • []Raffael (2)
  • []Rühle von Lilienstern, August (1)
  • []Schlieben (verh. Lose), Caroline von (1)
  • []Schlieben, Henriette von (1)
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  • []Zanthier, Ludwig Diedrich Philipp von (1)
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 Erwähnte Orte
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  • []Töplitz (2)
  • []Töplitz Schlossberg (1)
  • []Zwinger (1)
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 Vergleich Editionen

Die durchgeführte Kollation mit unterschiedlichen historischen und aktuellen Kleist-Editionen zeigt bestimmte Lesarten und Emendationen, die von der vorliegenden emendierten Fassung abweichen. In den Anmerkungen finden sich hierzu häufig nähere Erläuterungen. (Gelegentlich ist die Ursache für Abweichungen ein Transkriptionsfehler in der jeweiligen Edition.)

Disclaimer: Abweichungen, die ihren Grund in typographisch bedingten Normalisierungen und Standardisierungen haben, werden nicht angezeigt. Ein Anspruch auf Vollständigkeit kann nicht erhoben werden. Mitgeteilte Abweichungen müssen am Original überprüft werden.

[MP:1936] [8 Abw.]
  • 43Geschichten Geschichte ]Geschichte ] Geschichte
  • 53Katholischen katholischen ]katholischen ] katholischen
  • 73Katholischen katholischen ]katholischen ] katholischen
  • 100Bedürftniß Bedürfniß ]Bedürfnis ] Bedürfniß
  • 114Mann Mann, ]Mann, ] Mann,
  • 125nahgelegenen nahegelegenen ]nahegelegenen ] nahegelegenen
  • 149Glücke Glück ]Glück ] Glück
  • 165dein Dein ]Dein ] Dein
[MA:2010] [5 Abw.]
  • 4Gleißenberg, Gleißenberg ]Gleißenberg ] Gleißenberg
  • 102giebt, gibt, ]gibt, ] gibt,
  • 113v. v ] v
  • 140war war, ] war,
  • 156Glück Glück, ] Glück,
Stellenkommentar

6 Messe Die Leipziger Ostermesse 1801 hatte am 26. April begonnen. Interessant der Bericht über diese Messe im ›Journal des Luxus und der Moden‹ vom Juni 1801: »Die Messe gehört in jeder Rücksicht [...] zu den schlechtesten, die je zu Jubilate eingelautet [sic!] worden.« Schlechter Besuch und damit schlechte Geschäfte, »welche die Buchhändler machten, ließen einer eigenen Revolution entgegensehn, durch welche die Romanfabriken einen derben, aber heilsamen Stoß erhalten würden.« Interessant auch der Hinweis auf eine der wenigen Attraktionen der Messe: »Die meiste Sensation auf dieser Messe machten aber beinahe die Herren Schütze und Dreher mit ihren Marionetten.« Diese hätten einen »unbeschreiblich[en]« Zulauf gehabt. Eigentlicher Höhepunkt war das »Ballet« mit »Figuren mäßiger Größe«. Dieses sei in einer Art ausgeführt worden, »die an Natürlichkeit, Nettigkeit, Präcision und Faßlichkeit in Bewegungen, Stellungen u.s.w. [...] nichts zu wünschen, ja die künstlich leitenden Fäden schlechterdings vergessen ließen. Wahrhaftig, hier konnte man getäuscht werden [...]«.
Kleist hat diese Aufführungen während der Messe verpasst, möglicherweise aber hatte er nach der Messe noch Gelegenheit, eine Aufführung zu besuchen. In jedem Fall lässt sich ein Eindruck gewinnen, wie attraktiv für das Messepublikum und von welcher Qualität die Marionettentheater zu Kleists Lebzeiten (teilweise) gewesen sind. An genügend Anschauungsmaterial für seinen Text ›Über das Marionettentheater‹ dürfte es Kleist nicht gemangelt haben. In Kleists ›Marionettentheater‹ verweist der Erzähler jedenfalls schon im ersten Satz auf seinen Aufenthalt in der Stadt »M...« im »Winter 1801«.

7 aber in Dreßden so lange aufhielt, Über die Gründe für Kleists langen Aufenthalt in Dresden machte später seine mitreisende Schwester Ulrike v. Kleist einige Angaben: »Wir reisten also ab. Zuerst bis Dresden. Da gefiel es ihm so sehr daß er nicht fort zubringen war. Er sah die Gemälde, die Kunstwerke, und lebte nur für die Kunst. Er machte Bekandtschaft mit einem jungen Mahler Loos, der ihn rumführte, und statt wie er glaubte, Heinrich belehren zu können, verwundert da stand, und ihm zuhörte, was er über die Kunstwerke sagte. Er hielt es für unmöglich, daß ein nicht selbst Mahler so Gemälde beurtheilen, so darüber sprechen könnte. Der Mahler Loos war mit einem Fräulein v. Schliefen versprochen, die wir nebst ihrer Schwester schon früher hatten kennen gelernt, sehr liebe gute Mädchen, die mit großer Herzlichkeit an uns hingen. (Ich vermuthe daß die Briefe die kürzlich in einem Journale abgedruckt wurden an sie waren.) (Der Mahler Loos ist später mit seiner Frau nach Mailand gegangen.) [2. Seite] Wir hatten uns in Dresden eigne Pferde gekauft um damit die Reise zu machen. Diese waren schon längst angeschaft aber Heinrich konnte sich nach langen Zaudern erst spät zur Abreise entschließen. Wir gingen nun nach Leipzig.« (zitiert nach textkritik.de)

9 Umweg über Leipzig Kleists nächste Station ist Göttingen, Leipzig liegt fast auf der direkten Verbindung zwischen Dresden und Göttingen. Von einem ›Umweg‹ lässt sich insofern kaum sprechen, Kleist hätte alternativ noch die Postroute über Weimar und Erfurt wählen können.

12 vor 4 Wochen den Deinigen Nicht überliefert.

18 nur einmal, und nur so wenige Zeilen Vgl. Brief vom 4. Mai 1801.

25 mein eignes Tagebuch Kleists Tagebücher sind nicht überliefert. Weitere Erwähnung: 21. August 1800. Aufforderungen Kleists an Wilhelmine, gleichfalls ein Tagebuch zu führen: 13. November 1800

37 Tankred, Vgl. Goethe ›Wilhelm Meisters Lehrjahre‹ 1. Buch, 7. Kapitel, in dem Wilhelm gegenüber Mariane über seine Lektüre von Torquato Tassos ›Das befreite Jerusalem‹ »davon mir Koppens Übersetzung in die Hände fiel«, berichtet: »Aber wie ging mir das Herz über, wenn in dem bezauberten Walde Tankredens Schwert den Baum trifft, Blut nach dem Hiebe fließt und eine Stimme ihm in die Ohren tönt, daß er auch hier Chlorinden verwunde, daß er vom Schicksal bestimmt sei, das, was er liebt, überall unwissend zu verletzen!« Das gleiche Motiv lautet in Koppens Übersetzung (18. Gesang, Strophe 34, S. 500): »Er geht zur Myrrthe hin; sie aber sieht das kaum, / So schreyt sie und umfaßt den ihr so werthen Baum; / Halt! ruft sie, kannst du dich vor mir so grausam stellen, / Und meinen liebsten Baum, in dem ich wohne, fällen? / Leg’ ab dein Schwerdt, Barbar, und schone meinen Schmerz, / Ach! oder stoß es selbst Armiden in das Herz! / Soll deinem Schwerdt’ ein Streich auf meinen Baum gelingen, / So muß sein Grimm zuerst durch diesen Busen dringen!«

53 Antikencabinet, Zu Lebzeiten Kleists befand sich die Antikensammlung noch im Japanischen Palais.

54 Kirchen-Musik in der Katholischen Kirche, Die katholische Hofkirche (seit 1980 Kathedrale Sanctissimae Trinitatis) entstand etwa gleichzeitig mit der evangelischen Frauenkirche (1739–1755) und gilt als einer der größten Kirchenbauten Sachsens. Berühmt ist sie u. a. durch die Silbermann-Orgel.

57 griechischen Ideale Eine ausführliche Beschreibung der Antiken-Galerie hatte 1798 Johann Gottfried Lipsius vorgelegt, in die Kleist möglicherweise Einsicht genommen hat. (›Beschreibung der Churfürstlichen Antiken-Galerie in Dresden‹ von Johann G. Lipsius u. Johann Friedrich Wacker)

58 italienischen Meisterstücke Eine Orientierung über den damaligen Bestand ermöglicht ein Bestandsverzeichnis von 1837.

60 einzigen Raphael dieser Sammlung, vor jener Mutter Gottes Die ›Sixtinische Madonna‹ von Raffael in der Dresdner ›Gemäldegalerie Alte Meister‹, von August III. 1754 angekauft. In dem ›Verzeichniss der Königlich Sächsischen Gemälde-Galerie zu Dresden von Friedrich Matthäi‹ von 1837 wird zu dem Bild u. a. folgendes notiert: »Dieses einzige Gemälde ist unter der Benennung ›Madonna di San Sisto‹, bekannt. [...] Durch den erhabenen Freund und Beschützer der Künste, König Friedrich August III., kam es in die hiesige königliche Galerie; eine grosse Summe Goldes, und ein Nachbild an die Stelle, war der Preis, um welchen sich Deutschland dieses Kunstwerks zu erfreuen hat.« (Bild-Nr. 441, S. 84f)

61 stillen Größe, Kleist hat seinen Winckelmann offensichtlich gut gelesen. In Winckelmanns einflussreicher Schrift ›Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerey und Bildhauerkunst.‹ weist dieser auf den unmittelbaren Zusammenhang zwischen nachahmender Antike-Rezeption und dem Schaffen Raffaels: »Die edle Einfalt und stille Grösse der griechischen Statuen ist zugleich das wahre Kennzeichen der griechischen Schriften aus den besten Zeiten; der Schriften aus Socrates Schule; und diese Eigenschaften sind es, welche die vorzügliche Grösse eines Raphaels machen, zu welcher er durch die Nachahmung der Alten gelanget ist.« (S. 24) Zentral für Winkelmanns Argumentation ist Raffaels ›Sixtinische Madonna‹, die er bei seinen Kunststudien in Dresden ab 1754 studiert hatte. »Die Königliche Gallerie der Schildereyen in Dreßden enthält nunmehro unter ihren Schätzen ein würdiges Werk von Raphaels Hand, und zwar von seiner besten Zeit, wie Vasari und andere bezeugen. Eine Madonna mit dem Kinde, dem H. Sixtus und der H. Barbara, knieend auf beyden Seiten, nebst zwey Engeln im Vorgrunde. [...] Sehet die Madonna mit einem Gesichte voll Unschuld und zugleich einer mehr als weiblichen Grösse, in einer seelig ruhigen Stellung, in derjenigen Stille, welche die Alten in den Bildern ihrer Gottheiten herrschen ließen. Wie gross und edel ist ihr ganzer Contour!« (ebd. S. 26)

61 Umrissen, Umriss (Adelung): »in der Zeichenkunst, ein Riß, welcher bloß die äußern Linien einer Figur, die Linien des Umfanges darstellet.« Franz. ›contour‹, siehe oben (Winckelmann: »Wie gross und edel ist ihr ganzer Contour!«)

94 Du schon kennst, Kleist hatte Wilhelmine schon auf seiner ›Würzburger Reise‹ von Tharandt berichtet (vgl. Briefe v. 3.9.1800 und 4.9.1800).

95 Bergwerk Das 1794 errichtete Amalgierwerk Halsbrücke bei Freiberg, das Kleist und seine Schwester Ulrike am 2.5.1801 besucht hatten. (Vgl. LS 54b)

119 zwei Fräulein v. Schlieben, Henriette und Caroline v. Schlieben

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