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  • [044] W. v. Zenge, 4.5.1801

[044] An Wilhelmine v. Zenge, 4. Mai 1801

Textwiedergabe  nach Handschrift.

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[1] [BKA IV/2 8] [DKV IV 221] [SE:1993 II 647] [Heimböckel:1999 (Reclam) 229] [MA II 727] Dreßden,]Dresden, d.]den 4t ]4. Mai, ]Mai 1801. ]1801

Liebe Wilhelmine, heute lag ich auf den Brühlschen Terrassen, Der Charakter und die Bebauung der Brühlschen Terrasse waren zu Kleists Lebzeiten völlig anders als heute. Der Name geht zurück auf den Kabinettsminister Grafen Heinrich von Brühl. Dieser hatte 1740 das Areal als Geschenk von August III. erhalten. Die ehemalige Festungsanlage ließ Brühl durch den Architekten Johann Christoph Knöffel mit einem Lustgarten und mehreren nicht mehr erhaltenen Gebäuden, den sog. »Brühlschen Herrlichkeiten« neu gestalten (u. a. das Brühlsche Palais, die Brühlsche Bibliothek, die Brühlsche Galerie und das zweite Belvedere). Die Terrassen wurden der allgemeinen Öffentlichkeit erst 1814 (gleichzeitig das Baujahr der Freitreppe) zugänglich gemacht. ich hatte ein Buch mitgenommen, darin zu lesen, aber ich war zerstreut u.]und legte es weg. Ich blickte von dem hohen Ufer herab über das herrliche Elbthal,]Elbtal, es lag da wie ein Gemälde von Claude Lorrain In der Dresdner Gemäldegalerie ›Alte Meister‹ sind zwei Gemälde von Lorrain ausgestellt: ›Küstenlandschaft mit Acis und Galatea‹ und ›Landschaft mit der Flucht nach Ägypten‹. Kleist bezieht sich hier augenscheinlich auf letzteres. unter meinen Füßen — es schien mir wie eine Landschaft auf einen einem [Graph undeutlich] Teppich gestickt, grüne Fluren, Dörfer, ein breiter Strom, der sich schnell wendet, Dreßden]Dresden zu küssen]küssen, u.]und hat er es geküßt, schnell wieder flieht — und der prächtige Kranz von Bergen, der den Teppich wie eine Arabeskenborde Nach Adelung: »Die Arabếske, plur. die -n, aus dem Franz. Arabesque, in den bildenden Künsten, Arabische Zierathen, d. i. Zierathen, welche kein Urbild haben; besonders Zweige und verschlungene Züge dieser Art, weil die Araber keine andern Abbildungen dulden.« umschließt — und der reine blaue italische Himmel, der über die ganze Gegend schwebte — Mich dünkte, als schmeckte süß die Luft, holde Gerüche streuten mir die Fruchtbäume zu, und überall Knospen [SE:1993 II 648] u.]und Blüthen,]Blüten, die ganze Natur sah aus wie ein funfzehnjähriges Mädchen — Ach, Wilhelmine, ich hatte eine unaussprechliche Sehnsucht, nur einen Tropfen von Freude zu empfangen, es schien ein ganzes Meer davon über die Schöpfung ausgegossen, nur ich allein gieng]ging leer aus — Ich wünschte mir nur so viel Heiterkeit, u.]und auch diese nur auf eine so kurze Zeit als nöthig]nötig wäre, Dir einen heitern kurzen [Heimböckel:1999 (Reclam) 230] Brief zu schreiben. Aber der Himmel läßt auch meine bescheidensten Wünsche unerfüllt. Ich beschloß, auch für diesen Tag [DKV IV 222] noch zu schweigen — Da sah ich Dich im Geiste, wie Du täglich auf Nachrichten harrest, harrest – wartest. Vgl. Grimmsches Wörterbuch zu »harren«: »in einem zustande dauern, beharren, verweilen« täglich sie erwartest und täglich getäuscht wirst, ich dachte mir, wie Du Dich härmst Adelung: »Härmen, verb. reg. act. welches in der edlen und höhern Schreibart am häufigsten ist, aber nur als ein Reciprocum gebraucht wird, sich härmen, Harm empfinden, dem Harme nachhängen.« Siehe auch Harm: »Harm, des -es, plur. inus. ein Wort, welches besonders in der höhern Schreibart für Gram gebraucht wird, und so wie dieses, einen hohen Grad der anhaltenden Betrübniß über ein Übel bezeichnet.« u.]und Dich mit falschen Vorstellungen quälst, vielleicht mich krank glaubst, oder wohl gar — Da stand ich schnell auf, rief Ulriken, die lesend hinter mir saß, mir zu folgen, gieng]ging in mein Zimmer, und sitze nun am Tische, Dir wenigstens zu schreiben, daß ich noch immer lebe u.]und noch immer Dich liebe.

Liebe, theure]teure Freundinn,]Freundin, erlaß’ erlaß ]erlaß mir eine weitläufigere Mittheilung,]Mitteilung, ich kann Dir nichts Frohes schreiben]schreiben, u.]und der Kummer ist eine Last, die noch schwerer drückt, wenn mehrere daran tragen. Noch habe ich seit meiner Abreise von Berlin keine [MA II 728] wahrhaft vergnügte Stunde genossen, zerstreut bin ich wohl gewesen, aber nicht vergnügt — Meine heitersten Augenblicke sind solche, wo ich mich selbst vergesse — und doch, giebt]gibt es Freude, ohne ruhiges Selbstbewußtsein? Ach, Wilhelmine, Du bist glücklich gegen mich, weil Du eine Freundinn]Freundin Vgl. Brief v. 21.8.1800, in dem er Sophie Henriette Wilhelmine (›Minna‹) Clausius (siehe auch unten) und ein Fräulein von Koschenbahr erwähnt. hast — ich kann Ulriken Alles]alles mittheilen,]mitteilen, nur nicht, was mir das Theuerste]Teuerste ist. Du glaubst auch nicht, wie ihr lustiges, zu allem Abendtheuerlichen]Abenteuerlichen aufgewecktes Wesen, gegen [2] [BKA IV/2 11] mein Bedürfniß]Bedürfnis absticht — Ach, könnte ich vier Monate aus meinem Leben zurücknehmen! Die Zeit seit dem Besuch in Frankfurt / Oder um Weihnachten 1800. Adieu, adieu, ich will vergessen, was nicht mehr zu ändern ist — Lebe wohl, mit dem ersten frohen Augenblick erhältst Du einen recht langen Brief von mir. Bis dahin laß mich schweigen — wenn Du fürchtest, daß ich Dich kälter lieben werde, so quälst Du Dich vergeblich. O Gott, wenn mir ein einziger Wunsch erfüllt würde, mich aus diesem Labyrinthe zu retten — Liebe Wilhelmine, schreibe mir doch gleich nach Leipzig. Umstände haben uns verhindert, bereits dort zu sein. Du wirst aber wahrscheinlich einen Brief für mich an Minna Clausius geschickt Vgl. Brief v. 14.4.1801, in dem Kleist Minna Clausius als Adressatin angibt. haben, den sie nun, da sie mich nicht in Leip[SE:1993 II 649] zig gesprochen hat, wieder nach [Heimböckel:1999 (Reclam) 231] Berlin zurückgenommen haben wird. Also würde ich jetzt, wenn Du nicht gleich schreibst, keinen Brief von Dir in Leipzig finden, wo ich ohngefähr in 10 Tagen einzutreffen denke. [DKV IV 223] Schreibe also doch gleich, wenn Du kannst, u.]und es Dir nicht auch so schwer wird wie mir — Adieu, grüße Louisen, u.]und denke nur ein halb mal so oft an mich, wie ich an Dich denke, und zur bestimmten Zeit — Du weißt sie doch noch? Vielleicht erhältst Du noch von Dreßden]Dresden aus einen Brief von mir. H. K.

44
An Wilhelmine v. Zenge, 4. Mai 1801

Quellenangaben für Zitation
https://kleist-digital.de/briefe/044, [ggf. Angabe von Zeile/Vers oder Seite], 02.05.2026

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Apparat

Textwiedergabe nach Kopie der Handschrift. Die Handschrift ist in Besitz von:
Biblioteka Jagiellońska, Kraków; Sammlung Autographa (H. v. Kleist)

Erstdruck: [Buel:1848] 179–181

Pagina Kleist-Ausgaben
  • [BKA] (043) IV/2 7–13
  • [MA] (043) II 727f
  • [DKV] (047) IV 221–223
  • [SE:1993] (044) II 647–649
  • [Heimböckel:1999 (Reclam)] (043) 229–231
 Erwähnte Personen
  • []Brühl, Heinrich (1)
  • []Clausius, Sophie Henriette Wilhelmine (2)
  • []Kleist, Heinrich von (1)
  • []Kleist, Ulrike von (2)
  • []Koschenbahr, Fräulein von (1)
  • []Lorrain, Claude (1)
  • []Zenge, Louise von (1)
  • []Zenge, Wilhelmine von (4)
  • [»]Alle Personen anzeigen +/–
 Erwähnte Orte
  • []Berlin (2)
  • []Brühlsche Terrassen (1)
  • []Dresden Elbtal (1)
  • []Dreßden (3)
  • []Leipzig (3)
  • [»]Alle Orte anzeigen +/–
 Vergleich Editionen

Die durchgeführte Kollation mit unterschiedlichen historischen und aktuellen Kleist-Editionen zeigt bestimmte Lesarten und Emendationen, die von der vorliegenden emendierten Fassung abweichen. In den Anmerkungen finden sich hierzu häufig nähere Erläuterungen. (Gelegentlich ist die Ursache für Abweichungen ein Transkriptionsfehler in der jeweiligen Edition.)

Disclaimer: Abweichungen, die ihren Grund in typographisch bedingten Normalisierungen und Standardisierungen haben, werden nicht angezeigt. Ein Anspruch auf Vollständigkeit kann nicht erhoben werden. Mitgeteilte Abweichungen müssen am Original überprüft werden.

[MP:1936] [1 Abw.]
  • 29erlaß’ erlaß ]erlaß ] erlaß
[MA:2010] [1 Abw.]
  • 6einen einem [Graph undeutlich] ] einem [Graph undeutlich]
Stellenkommentar

2 Brühlschen Terrassen, Der Charakter und die Bebauung der Brühlschen Terrasse waren zu Kleists Lebzeiten völlig anders als heute. Der Name geht zurück auf den Kabinettsminister Grafen Heinrich von Brühl. Dieser hatte 1740 das Areal als Geschenk von August III. erhalten. Die ehemalige Festungsanlage ließ Brühl durch den Architekten Johann Christoph Knöffel mit einem Lustgarten und mehreren nicht mehr erhaltenen Gebäuden, den sog. »Brühlschen Herrlichkeiten« neu gestalten (u. a. das Brühlsche Palais, die Brühlsche Bibliothek, die Brühlsche Galerie und das zweite Belvedere). Die Terrassen wurden der allgemeinen Öffentlichkeit erst 1814 (gleichzeitig das Baujahr der Freitreppe) zugänglich gemacht.

5 Gemälde von Claude Lorrain In der Dresdner Gemäldegalerie ›Alte Meister‹ sind zwei Gemälde von Lorrain ausgestellt: ›Küstenlandschaft mit Acis und Galatea‹ und ›Landschaft mit der Flucht nach Ägypten‹. Kleist bezieht sich hier augenscheinlich auf letzteres.

10 Arabeskenborde Nach Adelung: »Die Arabếske, plur. die -n, aus dem Franz. Arabesque, in den bildenden Künsten, Arabische Zierathen, d. i. Zierathen, welche kein Urbild haben; besonders Zweige und verschlungene Züge dieser Art, weil die Araber keine andern Abbildungen dulden.«

22 harrest, harrest – wartest. Vgl. Grimmsches Wörterbuch zu »harren«: »in einem zustande dauern, beharren, verweilen«

23 härmst Adelung: »Härmen, verb. reg. act. welches in der edlen und höhern Schreibart am häufigsten ist, aber nur als ein Reciprocum gebraucht wird, sich härmen, Harm empfinden, dem Harme nachhängen.« Siehe auch Harm: »Harm, des -es, plur. inus. ein Wort, welches besonders in der höhern Schreibart für Gram gebraucht wird, und so wie dieses, einen hohen Grad der anhaltenden Betrübniß über ein Übel bezeichnet.«

37 Freundinn Vgl. Brief v. 21.8.1800, in dem er Sophie Henriette Wilhelmine (›Minna‹) Clausius (siehe auch unten) und ein Fräulein von Koschenbahr erwähnt.

41 vier Monate aus meinem Leben zurücknehmen! Die Zeit seit dem Besuch in Frankfurt / Oder um Weihnachten 1800.

49 Brief für mich an Minna Clausius geschickt Vgl. Brief v. 14.4.1801, in dem Kleist Minna Clausius als Adressatin angibt.

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