[100] An Ulrike v. Kleist, d. 6. Dezember 1806
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Meine liebe, vortreffliche, Ulrike,
dein]Dein
Brief
vom
9t
]9.
Novbr.]Novbr.,
den
ich
erſt, Gott
weiß, wie
es
zugeht, heute
erhalten
habe, ‡
hat
mir, ſo
iſolirt]isoliert
5
wie
ich
von
allen
meinen
Freunden
lebe, gleich, als
ob
ſie
alle
untergegangen
wären, ganz
unendliche
Freude
gemacht.
Liebe, Verehrung, und
Treue, wallten
wieder
ſo
lebhaft
in
mir
auf, wie
in
den
gefühl⸗
teſten
Augenblicken
meines
Lebens.
Es
liegt
eine
10
unſägliche
Luſt
für
mich
darin, mir
Unrecht
von
dir]Dir
vergeben
zu
laſſen; der
Schmerz
über
mich
wird
ganz
überwältigt
von
der
Freude
über
dich]Dich.
Mit
meinem
______________________________________________
‡ Es
ſtand
darauf: iſt
gefangen
genommen; zurück⸗
geſchickt.
— Du
mußt
das
Quartier
bezeichnen
Löb.
Löb[enichtſche]
]Löb[enichtsche]
Langg.
81.
15
[2]
[BKA IV/2 443]
körperlichen
Zuſtand
weiß
ich
nicht, ob
es
beſſer
wird, oder
ob
das
Gefühl
desſelben
bloß
vor
der
ungeheuren
Erſcheinung
des
Augenblicks
zurücktrit.
zurüktrit.
zurüktrit.
]zurücktritt.
Ich
fühle
mich
leichter
und
angenehmer, als
ſonſt.
Es
ſcheint
mir, als
ob
das
allgemeine
Unglück
die
Menſchen
20
erzöge, ich
finde
ſie
weiſer
und
wärmer, und
ihre
Anſicht
von
der
Welt
großherziger.
Ich
machte
noch
heute
dieſe
Bemerkung
an
Altenſtein,
dieſem
vor⸗
trefflichen
Mann, vor
dem
ſich
meine
Seele
erſt
jetzt, mit
völliger
Freiheit, entwickeln
[Heimböckel:1999 (Reclam) 376]
kann.
Ich
habe
25
ihn
[DKV IV 367]
ſchon, da
ich
mich
unpäßlich
fühlte, bei
mir
geſehen;
wir
können
wie
zwei
Freunde
mit
einander
reden.
An
unſere
Königinn]Königin
kann
ich
gar
nicht
ohne
Rührung
denken.
In
dieſem
Kriege, den
ſie
einen
unglücklichen
nennt, macht
ſie
einen
größeren
Gewinn, als
ſie
30
in
einem
ganzen
Leben
voll
Frieden
und
Freuden
[3]
[BKA IV/2 444]
gemacht
haben
würde.
Man
ſieht
ſie
einen
wahrhaft
königlichen
Charakter
entwickeln.
Sie
hat
den
ganzen
[MA II 860]
großen
Gegenſtand, auf
den
es
jetzt
ankommt, um⸗
faßt; ſie, deren
Seele
noch
vor
Kurzem]kurzem
mit
nichts
35
beſchäfftigt]beschäftigt
ſchien, als
wie
ſie
beim
Tanzen, oder
beim
Reiten, gefalle.
Sie
verſammelt
alle
unſere
großen
Männer, die
der
K.
K[önig]
]K[önig]
vernachläßigt]vernachlässigt,
und
von
denen
uns
doch
nur
allein
Rettung
kommen
kann, um
[SE:1993 II 774]
ſich;
ja
ſie
iſt
es, die
das, was
noch
nicht
zuſammengeſtürzt
40
iſt, hält.
Von
dem, was
man
ſonſt
hier
hoffen
mag, oder
nicht; und
was
man
für
Anſtalten
trifft; kann
ich
dir]Dir,
weil
es
verboten
ſein
mag,
nichts
ſchreiben.
Der
Gen.
Kalkreuth
nimt]nimmt
den
Ab⸗
ſchied.
Der
Gen.
Rüchel,
der
dem
Könige,
daß
er
45
hergeſtellt
ſei, angekündigt, und
ſeine
Dienſte
an⸗
geboten
hat, hat
ſeit
acht
Tagen
noch
keine
Antwort
[4]
[BKA IV/2 447]
erhalten.
Auch
Hardenberg,
hör
ich, will
dimittiren]dimittieren.
Altenſtein
weiß
noch
nicht, ob
er
wieder
in
fremde
Dienſte
gehen, oder
ſich, mit
einem
50
kleinen
Vermögen, in
den
Privatſtand
zurückziehen
ſoll.
Brauſe
habe
ich
zu
meiner
größten
Freude
hier
geſprochen.
Pfuel
hat
er
in
Cüſtrin]Küstrin
noch
ge⸗
ſprochen, von
Rühle
weiß
er
nichts,
Leopold
war
nicht
unter
den
Todten]Toten
und
Bleßirten]Blessierten,
die
er
mir
nannte.
55
Deine
Nachrichten
wären
mir
noch
weit
intereſſanter
geweſen, wenn
ich
ſie
nicht
ſo
ſpät
erhalten
hätte.
Verſäume
nicht, mir, ſobald
du]Du
etwas
von
den
Un⸗
ſrigen
erfährſt, es
mitzutheilen]mitzuteilen.
Beſonders
lieb
wäre
es
mir, wenn
du]Du
mir
etwas
von
der
Kleiſten
60
ſagen
könnteſt, die
ich
für
todt]tot
halten
muß, weil
ſie
mir
nicht
ſchreibt.
Nach
Schorin
komme
ich, ſo]ſobald
bald][]
es
mir
möglich
ſein
wird.
Vielleicht
habe
ich
doch
den
beßten]besten
Weg
eingeſchlagen, und
es
ge[Heimböckel:1999 (Reclam) 377] lingt
mir, Dir
noch
Freude
zu
machen.
Das
iſt
einer
meiner
größten
Wünſche!
Lebe
wohl
und
65
grüße
Alles]alles.
H.
v]v.
Kleiſt.
