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  • [100] U. v. Kleist, 6.12.1806

[100] An Ulrike v. Kleist, d. 6. Dezember 1806

Textwiedergabe  nach Handschrift.

  • Fassung Handschrift
    konstituiert
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    ohne orig. Zeilenfall
  • Textversion
    [+] ohne ſ, aͤ, oͤ, uͤ

Alle Textversionen sind inhaltlich identisch. Die Handschrift wird in konstituierter und emendierter Fassung dargestellt (eine textkritische Darstellung ist in Planung). Alle Emendationen sind im Anhang einzeln verzeichnet.
Die Fassung Handschrift zeigt die emendierte Wiedergabe der Handschrift. Der originale Zeilenfall ist beibehalten. Diese Fassung wird wegen der Zeilenlänge auf Smartphones nicht angezeigt.

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[1] [BKA IV/2 440] [DKV IV 366] [SE:1993 II 773] [Heimböckel:1999 (Reclam) 375] [MA II 859] Königsbg Königsberg ]Königsberg d.]den 6]6. Decb.]Dezb. 6. ]1806
Meine liebe, vortreffliche, Ulrike,

dein]Dein Brief
vom 9t ]9. Novbr.]Novbr., den ich erſt, Gott weiß, wie es
zugeht, heute erhalten habe, ‡
hat mir, ſo iſolirt]isoliert 5
wie ich von allen meinen Freunden lebe, gleich, als
ob ſie alle untergegangen wären, ganz unendliche
Freude gemacht.
Liebe, Verehrung, und Treue, wallten
wieder ſo lebhaft in mir auf, wie in den gefühl⸗
teſten
Augenblicken meines Lebens.
Es liegt eine 10
unſägliche Luſt für mich darin, mir Unrecht von
dir]Dir vergeben zu laſſen; der Schmerz über mich wird
ganz überwältigt von der Freude über dich]Dich.
Mit meinem
______________________________________________
‡ Es ſtand darauf: iſt gefangen genommen; zurück⸗
geſchickt
.
— Du mußt das Quartier bezeichnen Löb. Löb[enichtſche] ]Löb[enichtsche] Langg. 81. 15
[2] [BKA IV/2 443] körperlichen Zuſtand weiß ich nicht, ob es beſſer
wird, oder ob das Gefühl desſelben bloß vor der
ungeheuren Erſcheinung des Augenblicks zurücktrit. zurüktrit. zurüktrit. ]zurücktritt.

Ich fühle mich leichter und angenehmer, als ſonſt. Es
ſcheint mir, als ob das allgemeine Unglück die Menſchen 20
erzöge, ich finde ſie weiſer und wärmer, und ihre
Anſicht von der Welt großherziger.
Ich machte noch
heute dieſe Bemerkung an Altenſtein, dieſem vor⸗
trefflichen
Mann, vor dem ſich meine Seele erſt
jetzt, mit völliger Freiheit, entwickeln [Heimböckel:1999 (Reclam) 376] kann.
Ich habe 25
ihn [DKV IV 367] ſchon, da ich mich unpäßlich fühlte, bei mir geſehen;
wir können wie zwei Freunde mit einander reden.

An unſere Königinn]Königin kann ich gar nicht ohne Rührung
denken.
In dieſem Kriege, den ſie einen unglücklichen
nennt, macht ſie einen größeren Gewinn, als ſie 30
in einem ganzen Leben voll Frieden und Freuden
[3] [BKA IV/2 444] gemacht haben würde.
Man ſieht ſie einen wahrhaft
königlichen Charakter entwickeln.
Sie hat den ganzen
[MA II 860] großen Gegenſtand, auf den es jetzt ankommt, um⸗
faßt
; ſie, deren Seele noch vor Kurzem]kurzem mit nichts 35
beſchäfftigt]beschäftigt ſchien, als wie ſie beim Tanzen, oder
beim Reiten, gefalle.
Sie verſammelt alle unſere großen
Männer, die der K. K[önig]
]K[önig] vernachläßigt]vernachlässigt, und von denen
uns doch nur allein Rettung kommen kann, um [SE:1993 II 774] ſich;
ja ſie iſt es, die das, was noch nicht zuſammengeſtürzt 40
iſt, hält. Von dem, was man ſonſt hier hoffen
mag, oder nicht; und was man für Anſtalten
trifft; kann ich dir]Dir, weil es verboten ſein mag,
nichts ſchreiben.
Der Gen. Kalkreuth nimt]nimmt den Ab⸗
ſchied
.
Der Gen. Rüchel, der dem Könige, daß er 45
hergeſtellt ſei, angekündigt, und ſeine Dienſte an⸗
geboten
hat, hat ſeit acht Tagen noch keine Antwort
[4] [BKA IV/2 447] erhalten.
Auch Hardenberg, hör ich, will dimittiren]dimittieren.
Altenſtein weiß noch nicht, ob er wieder in
fremde Dienſte gehen, oder ſich, mit einem 50
kleinen Vermögen, in den Privatſtand zurückziehen
ſoll.
Brauſe habe ich zu meiner größten Freude
hier geſprochen.
Pfuel hat er in Cüſtrin]Küstrin noch ge⸗
ſprochen
, von Rühle weiß er nichts, Leopold war nicht
unter den Todten]Toten und Bleßirten]Blessierten, die er mir nannte.
55
Deine Nachrichten wären mir noch weit intereſſanter
geweſen, wenn ich ſie nicht ſo ſpät erhalten hätte.

Verſäume nicht, mir, ſobald du]Du etwas von den Un⸗
ſrigen
erfährſt, es mitzutheilen]mitzuteilen.
Beſonders lieb
wäre es mir, wenn du]Du mir etwas von der Kleiſten 60
ſagen könnteſt, die ich für todt]tot halten muß, weil
ſie mir nicht ſchreibt.
Nach Schorin komme ich, ſo]ſobald bald][]
es mir möglich ſein wird.
Vielleicht habe ich doch den
beßten]besten Weg eingeſchlagen, und es ge[Heimböckel:1999 (Reclam) 377] lingt mir, Dir noch
Freude zu machen.
Das iſt einer meiner größten Wünſche! Lebe wohl und 65
grüße Alles]alles.
H. v]v. Kleiſt.

100
An Ulrike v. Kleist, d. 6. Dezember 1806

Quellenangaben für Zitation
https://kleist-digital.de/briefe/100, [ggf. Angabe von Zeile/Vers oder Seite], 02.05.2026

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Apparat

Textwiedergabe nach Kopie der Handschrift. Die Handschrift ist in Besitz von:
Biblioteka Jagiellońska, Kraków; Sammlung Autographa (H. v. Kleist)

Erstdruck: [Kober:1860] 111–113

Pagina Kleist-Ausgaben
  • [BKA] (099) IV/2 439–447
  • [MA] (099) II 859f
  • [DKV] (106) IV 366f
  • [SE:1993] (100) II 773f
  • [Heimböckel:1999 (Reclam)] (099) 375–377
 Erwähnte Personen
  • []Altenstein, Karl Freiherr vom Stein zum (2)
  • []Brause, Johann Georg Emil von (1)
  • []Friedrich Wilhelm III., König von Preußen (2)
  • []Hardenberg, Carl August Freiherr von (1)
  • []Kalckreuth, Friedrich Adolf Graf von (1)
  • []Kleist, Heinrich von (1)
  • []Kleist, Leopold von (1)
  • []Kleist, Marie von (1)
  • []Kleist, Ulrike von (1)
  • []Luise, Königin von Preußen (1)
  • []Pfuel, Ernst von (1)
  • []Rüchel, Ernst von (1)
  • []Rühle von Lilienstern, August (1)
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 Erwähnte Orte
  • []Cüstrin (1)
  • []Königsberg (1)
  • []Löbenichtsche Langgasse, Königsberg (1)
  • []Schorin (1)
  • [»]Alle Orte anzeigen +/–
 Vergleich Editionen

Die durchgeführte Kollation mit unterschiedlichen historischen und aktuellen Kleist-Editionen zeigt bestimmte Lesarten und Emendationen, die von der vorliegenden emendierten Fassung abweichen. In den Anmerkungen finden sich hierzu häufig nähere Erläuterungen. (Gelegentlich ist die Ursache für Abweichungen ein Transkriptionsfehler in der jeweiligen Edition.)

Disclaimer: Abweichungen, die ihren Grund in typographisch bedingten Normalisierungen und Standardisierungen haben, werden nicht angezeigt. Ein Anspruch auf Vollständigkeit kann nicht erhoben werden. Mitgeteilte Abweichungen müssen am Original überprüft werden.

[MP:1936] [3 Abw.]
  • 1Königsbg Königsberg ]Königsberg ] Königsberg
  • 15Löb. Löb[enichtſche] ]Löb[enichtsche] ] Löb[enichtſche]
  • 38K. K[önig] ]K[önig] ] K[önig]
[BKA:1989] [1 Abw.]
  • 18zurücktrit. ] zurüktrit.
[MA:2010] [1 Abw.]
  • 18zurücktrit. ] zurüktrit.
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