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  • [077] U. v. Kleist, 24.6.1804

[077] An Ulrike v. Kleist, 24. Juni 1804

Textwiedergabe  nach Handschrift.

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[1] [BKA IV/2 286] [DKV IV 322] [SE:1993 II 737] [Heimböckel:1999 (Reclam) 330] [MA II 819] Mein liebstes Rickchen,

laß dir]Dir einige Nachrichten über den Erfolg
meiner Reise mittheilen]mitteilen, ein Hundsfott giebt]gibt sie besser, als er kann.

Ich kam Dienstags Morgen’s Morgens ]morgens mit Ernst u. und ]und Gleißenberg hier an, mußte,
weil der König abwesend war, den Mittwoch u. und ]und Donnerstag versäumen, 5
fuhr dann am Freitag nach Charlottenburg, wo ich Kökritzen endlich im Schlosse
fand.
Er empfieng]empfing mich mit einem finstern Gesichte, und antwortete auf
meine Frage, ob ich die Ehre hätte von ihm gekannt zu sein, mit einem
kurzen: ja.
Ich käme, fuhr ich fort, ihn in meiner wunderlichen Angelegen[Heimböckel:1999 (Reclam) 331] heit
um Rath]Rat zu fragen.
Der Marquis von Lucchesini hätte einen sonderbaren 10
Brief, den ich ihm aus St. Omer zugeschickt, dem Könige vorgelegt.
Dieser
Brief müsse unverkennbare Zeichen einer Gemüthskrankheit]Gemütskrankheit enthalten,
und ich unterstünde mich, von Sr. Majestät Gerechtigkeit zu hoffen, daß
er vor keinen politischen Richterstuhl gezogen werden würde.
Ob diese
Hoffnung gegründet wäre? ware?
Und ob ich, wiederhergestellt, wie ich 15
mich fühlte, auf die Er[MA II 820] füllung einer Bitte um Anstellung [SE:1993 II 738] rechnen
dürfte, wenn ich wagte, sie Sr. Majestät vorzutragen?
Darauf
versetzte er nach einer Weile: „sind Sie wirklich jetzt hergestellt?

Ganz, verstehn Sie mich, hergestellt? — Ich meine,“ meine“, ]meine“, fuhr er, da ich ihn
befremdet ansah, mit Heftigkeit fort, „ob Sie von allen Ideen und 20
Schwindeln, die vor Kurzem]kurzem im Schwange wären, waren, waren, waren, (er gebrauchte diese
Wörter) völlig hergestellt sind?“ —
Ich verstünde ihn nicht, antwortete
ich mit so vieler Ruhe als ich zusammenfassen konnte; ich wäre körperlich
krank gewesen, und fühlte mich, bis auf eine gewisse Schwäche, die
das Bad vielleicht heben würde, so ziemlich wieder hergestellt. —
Er 25
nahm das Schnupftuch aus der Tasche und schnaubte sich.
„Wenn er mir
die Wahrheit gestehen solle,“ solle“, ]solle“, fieng]fing er an, und zeigte mir jetzt ein weit
besseres Gesicht, [DKV IV 323] als vorher, „so könne er mir nicht verhehlen, daß er
sehr ungünstig von mir denke.
Ich hätte das Militair]Militär verlassen,
dem/ 30
[2] [BKA IV/2 289] dem Civil]Zivil den Rücken gekehrt, das Ausland durchstreift, mich in der
Schweiz ankaufen wollen, Versche gemacht (o meine theure]teure Ulrike!)
die Landung mitmachen wollen, &]usw. &]usw. &]usw.
Überdies sei des Königs
Grundsatz, Männer, die aus dem Militair]Militär in’s]ins Civil]Zivil übergiengen]übergingen,
nicht besonders zu protegiren]protegieren.
Er könne nichts für mich thun. — thun“. — ]tun“. — Mir 35
traten wirklich die Thränen]Tränen in die Augen.
Ich sagte, ich wäre im Stande]imstande,
ihm eine ganz andere Erklärung aller dieser Schritte zu geben, eine
ganz andere gewiß, als er vermuthete]vermutete.
Jene Einschiffungsgeschichte
z. B. hätte gar keine politischen Motive gehabt, sie gehöre vor das
Forum eines Arztes weit eher, als des Cabinets]Kabinetts.
Ich hätte bei einer 40
fixen Idee einen gewissen [Heimböckel:1999 (Reclam) 332] Schmerz im Kopfe empfunden, der unerträglich
heftig steigernd, mir das Bedürfniß]Bedürfnis nach Zerstreuung so dringend
gemacht hätte, daß ich zuletzt in die Verwechslung der Erdaxe]Erdachse gewil⸗
ligt
haben würde, ihn los zu werden.
Es wäre doch grausam, wenn
man einen Kranken verantwortlich machen wolle für Handlungen, die 45
er im Anfalle der Schmerzen begieng]beging. —
Er schien mich nicht ganz ohne
Theilnahme]Teilnahme anzuhören. —
Was jenen Grundsatz des Königs beträfe, fuhr
ich fort, so könne er des Königs Grundsatz nicht immer gewesen sein.
Denn
Sr. Majestät hätten die Gnade gehabt, mich mit dem Versprechen einer
Wiederanstellung zu entlassen; ein Versprechen, an dessen Nichterfüllung ich nicht 50
glauben könne, [MA II 821] so lange ich mich seiner noch nicht völlig unwürdig gemacht hätte. — ][Sembdner fügt geklammert die von Kleist gestr. Sequenz in den Text ein: »zuerst: ein Versprechen, das ich Sorge getragen hätte, bis auf den heutigen Tag unter meinen Papieren aufzubewahren«]

[SE:1993 II 739] Er schien wirklich auf einen Augenblick unschlüßig]unschlüssig. Doch die zwang⸗
volle
Wendung die er jetzt plötzlich nahm, zeigte nur zu gut, was man
bereits am Hofe über mich beschlossen hatte.
Denn er hohlte]holte mit Einem⸗
male]einemmale
das alte Gesicht wieder hervor, u. und ]und sagte: „Es wird Ihnen zu nichts 55
helfen.
Der König hat eine vorgefaßte Meinung gegen Sie; ich zweifle
daß Sie sie ihm benehmen werden.
Versuchen Sie es, und schreiben Sie an
ihn; doch vergessen Sie nicht die Bitte um Erlaubniß]Erlaubnis gleich hinzuzufügen,
[3] [BKA IV/2 290] im Fall einer abschlägigen [DKV IV 324] Antwort Ihr Glück im Auslande suchen
zu dürfen. — dürfen.“ ]dürfen.“ —
Was sagst du]Du dazu, mein liebes Ulrickchen? — Ich ant⸗60
wortete
, daß ich mir die Erlaubniß]Erlaubnis ausbäte, in meinem Vaterlande
bleiben zu dürfen.
Ich hätte Lust meinem Könige zu dienen, keinem
Andern]andern; wenn er mich nicht gebrauchen könne, so wäre mein Wunsch im Stillen
mir und den Meinigen leben zu dürfen. —
„Richten Sie Ihren Brief,“ Brief”, ]Brief“, fiel
er ein wenig betroffen ein, „wie Sie wollen.
Es ist möglich, daß der 65
König seine Meinung von Ihnen ändert; und wenn Sie ihn zu einer
Anstellung geneigt machen können, so verspreche ich, Ihnen nicht ent⸗
gegen
zu wirken.“ —
Ich ersuchte ihn jetzt förmlich um diese Gnade,
und wir brachen das Gespräch ab.
Er bat mich noch, auf eine
recht herzliche Art, um Verzeihung, wenn er mich be[Heimböckel:1999 (Reclam) 333] leidigt haben 70
sollte, verwünschte seinen Posten, der ihm den Unwillen aller
Menschen zuzöge, denen er es nicht recht machte: ich versicherte
ihn, daß ich ihn mit Verehrung verließe, und fuhr nach Berlin
zurück. —
Ich laß]las auf dem Wege Wielands Brief, den du]Du mir
geschickt hast, und erhob mich, mit einem tiefen Seufzer, ein wenig wieder 75
aus der Demüthigung]Demütigung, die ich so eben]soeben erfahren hatte][Sembdner fügt in lfd. Text die von Kleist gestr. Sequenz ein (geklammer): »zuerst: und erhob, in einem tiefen Seufzer, meine Brust über alle diese Menschen, die mich verachten«]. —
Jetzt habe
ich dem Könige nun wirklich geschrieben; doch weil das Anerbieten
meiner Dienste wahrscheinlich fruchtlos bleiben wird, so habe
ich es wenigstens in einer Sprache gethan]getan, welche geführt zu
haben, mich nicht gereuen wird.
Du selbst hast es mir zur 80
Pflicht gemacht, mich nicht zu erniedrigen; und lieber die Gunst
der ganzen Welt verscherzt, als die deinige]Deinige. —
Ich habe jetzt die Wahl
unter einer Menge von sauren Schritten, zu deren Einem]einem ich zuletzt
fähig sein werde, weil ich es muß.
Zu [SE:1993 II 740] deinen]Deinen Füßen werfe ich mich
aber, mein großes Mädchen; mögte]möchte der [MA II 822] Wunsch doch dein]Dein Herz rühren, 85
den ich nicht aussprechen kann.

Berlin, den 24t ]24. Juni, Juni Juni ]Juni 1804. ]1804 Dein Heinrich.

N.S. Antworte mir doch bald. Ich will deinen]Deinen Brief hier erwarten.
Grüße Alles]alles.

77
An Ulrike v. Kleist, 24. Juni 1804

Quellenangaben für Zitation
https://kleist-digital.de/briefe/077, [ggf. Angabe von Zeile/Vers oder Seite], 31.08.2025

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Apparat

Textwiedergabe nach Kopie der Handschrift. Die Handschrift ist in Besitz von:
Biblioteka Jagiellońska, Kraków; Sammlung Autographa (H. v. Kleist)

Erstdruck: [Kober:1860] 93–97

 Emendationen (insges. 1)
  • 21wären,waren,
Pagina Kleist-Ausgaben
  • [BKA] (076) IV/2 285–291
  • [MA] (076) II 819–822
  • [DKV] (082) IV 322–324
  • [SE:1993] (078) II 737–740
  • [Heimböckel:1999 (Reclam)] (076) 330–333
 Erwähnte Personen
  • []Friedrich Wilhelm III., König von Preußen (12)
  • []Gleissenberg, Karl von (1)
  • []Kleist, Heinrich von (1)
  • []Kleist, Ulrike von (4)
  • []Köckritz, Karl Leopold von (1)
  • []Lucchesini, Girolamo (1)
  • []Pfuel, Ernst von (1)
  • []Wieland, Christoph Martin (1)
  • [»]Alle Personen anzeigen +/–
 Erwähnte Orte
  • []Berlin (2)
  • []Charlottenburg (1)
  • []Schloss Charlottenburg (1)
  • []Schweiz (1)
  • []St. Omer (1)
  • [»]Alle Orte anzeigen +/–
 Vergleich Editionen

Die durchgeführte Kollation mit unterschiedlichen historischen und aktuellen Kleist-Editionen zeigt bestimmte Lesarten und Emendationen, die von der vorliegenden emendierten Fassung abweichen. In den Anmerkungen finden sich hierzu häufig nähere Erläuterungen. (Gelegentlich ist die Ursache für Abweichungen ein Transkriptionsfehler in der jeweiligen Edition.)

Disclaimer: Abweichungen, die ihren Grund in typographisch bedingten Normalisierungen und Standardisierungen haben, werden nicht angezeigt. Ein Anspruch auf Vollständigkeit kann nicht erhoben werden. Mitgeteilte Abweichungen müssen am Original überprüft werden.

[MP:1936] [9 Abw.]
  • 4Morgen’s Morgens ]morgens ] Morgens
  • 4u. und ]und ] und
  • 5u. und ]und ] und
  • 19meine,“ meine“, ]meine“, ] meine“,
  • 27solle,“ solle“, ]solle“, ] solle“,
  • 35thun. — thun“. — ]tun“. — ] thun“. —
  • 55u. und ]und ] und
  • 60dürfen. — dürfen.“ ]dürfen.“ — ] dürfen.“
  • 64Brief,“ Brief”, ]Brief“, ] Brief”,
[BKA:1989] [2 Abw.]
  • 21wären, ] waren,
  • 87Juni, Juni Juni ]Juni ] Juni
[MA:2010] [3 Abw.]
  • 15wäre? ] ware?
  • 21wären, ] waren,
  • 87Juni, Juni Juni ]Juni ] Juni
Stellenkommentar

4 Ernst Ernst von Pfuel oder Ernst von Schönfeldt

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